Künstliche Verknappung: Der Italiener weiß, wie es geht!

Gestern mit Frau und Tochter Erstbesuch beim angesagten Italiener auf dem Dorf vor den Toren Hannovers. Der Padre strahlt voller ehrlicher Herzlichkeit, hat aber auch den Schalk im Auge. Wir wählen einen 2005er „Orazio“-Rotwein aus der Karte, 12 Monate im Barrique gelagert. „Sorry!“, sagt der Chef, „Aber die Sorte ist leider aus. Ich gebe Ihnen einen gleichwertigen Wein zum gleichen Preis. Sie können sich drauf verlassen!“ — „Okay!“, denke ich, „Mal sehen, was das wird!“ Aber ich verlasse mich da gern auf Menschen, die überzeugend daherkommen.

Später kommt er freudestrahlend mit der Flasche Wein, er hätte doch noch zwei Flaschen der von mir bestellten Marke gefunden. Das wäre ja eigentlich schon sein persönlicher Bestand, weil er den auch so gern trinkt, aber das wäre schon OK. Wir fühlten uns richtig geschmeichelt. Der Padre erzählte dann noch, dass die Aglianico-Traube eine sehr gute sei, der Wein im Raum Neapel angebaut werde, und er den Winzer persönlich kennt, weil er auch aus der Gegend komme. Und der Wein schmeckte wirklich gut!

Nach einem tollen Menü, einem sehr milden Grappa auf Kosten des Hauses („…auch aus der Aglianico-Traube …“) und knapp drei Stunden stehen wir an der Garderobe. Gegenüber ein Weinregal. Was sehe ich da? Mindestens drei Flaschen ORAZIO …!

Ich zum Padre: „Welch Glück, ich habe hier noch ein paar Flaschen Ihres Lieblingsweines gefunden!“

Da lächelt er spitzbübisch und sagt nur „Ich weiß!“. Kann man solchen Menschen böse sein? Überhaupt nicht! Es war ein toller Abend, und der Padre hat ihn durch seinen kleinen Kniff noch ein wenig schöner gemacht!

Später habe ich dann drüber nachgedacht, dass er wahrscheinlich auch den Winzer nicht kennt. Aber wen stört’s?

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